Der Vorgartenmarkt entwickelt sich zu einer kulinarischen Oase. Grund dafür sind auch die Brüder Menashe und Elijahu Babaev, die nicht nur für süße Verführungen mit der Patisserie „Ella’s Twins“ sorgen, sondern auch das elterliche Fischgeschäft modernisiert haben.

Menashe und Elijahu Babaev sind mehr oder weniger am Vorgartenmarkt aufgewachsen. Die Zwillingsbrüder haben am Fischstand ihrer Großeltern, später ihrer Mutter Ella das Marktleben kennengelernt. „Golden Fish“ war für seine frischen Fische und gebackenen Spezialitäten bekannt. 2017 wurde vis à vis ein Marktstand frei, da haben die Zwillinge, die im Hauptberuf Steuerberater und Molekularbiologe sind, eine Lücke in der Angebotspalette des Vorgartenmarktes entdeckt: es gab keine Konditorei. Aber es sollte nicht irgendeine werden, sondern etwas moderenes und innovatives. Statt großer Tortenstücke setzen Menashe und Elijahu auf ausgewählte Patisserie in ihrem „Ella’s Twins“.

Wiener und internationale Klassiker ziehen sich wie ein roter Faden durch die Vitrinen: Kardinalschnitten, New York Cheesecake, bunte Macronen und echte Pariser Croissants. „Wir wollen unseren Kunden auch ein Einkaufserlebnnis bieten. Vor allem, da auch die Marktkunden zunehmend jünger werden und ein anderes Angebot suchen“, ist Menashe Babaev überzeugt. „Die Gesellschaft hat sich auch im Stuwerviertel verändert, viele WU-Studenten sind dazugekommen – das zwingt auch den Markt dazu, sich zu verändern und auf die gestiegenen Ansprüche zu reagieren.“

Mehr als nur Torte

Cake-Art hat sich in den letzten Jahren auch hierzulande etabliert. Einfach Buttercreme oder Schokoglasur auf die Torte drauf und fertig, das war gestern. Mittlerweile werden Torten verziert, geschmückt und dekoriert was das Zeug hält. Dabei entstehen wahre Kunstwerke, die fast zu schade zum Essen scheinen. „Es geht auch ums Aussehen. Der Genuss beginnt schon beim Anschauen und nicht erst beim Essen der Torte“, ist Menashe überzeugt. Statt Tortenstücke setzen „Ella’s Twins“ auf Portionstörtchen, die mehr dem Zeitgeist entsprächen. „Wir wollen bewusst eine jüngere Zielgruppe ansprechen und ähnlich wie Starbucks zu einem Treffpunkt im Grätzl werden“, wollen sich die Zwillinge bewusst von klassischen Kaffee-Konditoreien absetzen.

Es geht ums Einkaufserlebnis

Frischer Wind weht seit einiger Zeit aber auch beim gegenüberliegenden Fischgeschäft. Aus dem „Golden Fish“ wurde letztes Jahr das „Fisch am Markt“. Nicht nur der Name ist neu, auch das Angebot ist moderner geworden. Wie gehabt kann man zwar frischen Fisch kaufen oder sich im Lokal zubereiten lassen, aber genau hier erkennt man das neue Konzept. „Auch hier geht es um ein Einkaufserlebnis. Wir setzen auf nachhaltigen Wildfang bzw. Bio-Fische. Wir achten genau auf die Fanggebiete und -methoden. Zum Beispiel wird unser Thunfisch mit der Hand gefangen, um Beifang zu verhindern“, versichert einer der Babaev-Brüder und ergänzt „Der Lachs stammt aus Schottland, der Branzino und die Dorade bekommen wir aus Kroatien.“ Der Fisch wird selbstverständlich küchenfertig vorbereitet, Rezepte gibt es gratis dazu. Aber auch das Angebot der Speisekarte ist moderner geworden: weniger gebackenen, dafür mehr gegrillten Fisch gibt es jetzt.  „Die Märkte müssen ständig am Ball bleiben, um die Kunden nicht an die Supermärkte zu verlieren. Die Gastronomie spielt da eine große Rolle. Nicht umsonst finden Sie in den großen Superketten immer auch ein Restaurant angeschlossen“, weiІ Menashe Babaev. Leider gКbe es wenig Ausstausch zwischen dem Verkauf und der Gastronomie am Vorgartenmarkt, bedauern die Brüder. Der Markt ist auf alle Fälle ständig in Veränderung. Laufend sperrt ein neuer Stand auf und belebt den Markt. Und auch der Elan der Babaev-Brüder ist noch nicht erschöpft. Wir sind gespannt, was noch kommt.